Reinhold Otto Mayer Preis 2023

Der mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Reinhold Otto Mayer Preis geht in diesem Jahr an das Autor*innen-Duo Ivana Sokola und Jona Spreter sowie den Regisseur Pablo Lawall für ihr gemeinsames Konzept (Text und Regie) »Der Grund. Eine Verschwindung«.
 
Der Reinhold Otto Mayer Preis wird alle zwei Jahre für ein herausragendes Werk im Bereich der performativen Künste, insbesondere im Musiktheater und Schauspiel vergeben. Ziel ist es, neue deutschsprachige Werke in diesen Bereichen zu fördern und zu initiieren. Für jede Preisvergabe kooperiert die Stiftung daher mit einem jeweils neuen Partner, mit dem sie die Ausschreibung und Preisverleihung gestaltet und das Preisträgerstück zur Uraufführung bringt. Für die Preisvergabe 2023 erfolgt die Zusammenarbeit mit dem Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim, das mit seinen jährlich wechselnden Hausautor*innen für Uraufführungen bekannt ist.
 
Auf die Ende 2022 veröffentlichte Ausschreibung konnten sich Teams, bestehend aus Autor*innen und Regisseur*innen, die in der Vergangenheit bereits erfolgreich zusammengearbeitet haben und diese Zusammenarbeit fortsetzen wollen, mit einem Konzept für ein neues deutschsprachiges Theaterstück und dessen Inszenierung bewerben.
 
Die Jury, bestehend aus der Regisseurin Claudia Bauer, dem Autor Albert Ostermaier, dem Schauspieler Max Simonischek, der Theaterkritikerin Katrin Ullmann, der Geschäftsführerin der Reinhold Otto Mayer Stiftung Dr. Uta Daur sowie Schauspielintendant Christian Holtzhauer und der Geschäftsführenden Dramaturgin Schauspiel Lena Wontorra vom Nationaltheater Mannheim, hat sich für das Autor*innen-Duo Ivana Sokola und Jona Spreter sowie den Regisseur und Musiker Pablo Lawall für ihr gemeinsames Konzept »Der Grund. Eine Verschwindung« entschieden. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober 2023 in Mannheim statt. Die Uraufführung ist für September 2024 im Studio Werkhaus des Nationaltheaters Mannheim geplant. Die ausgewählte Konzeption überzeugte die Jury durch ihr originelles Sujet, die knappe, poetische und zugleich humorvolle Sprache des Autor*innen-Duos Sokola//Spreter sowie eine bereits in diesem frühen Stadium des künstlerischen Prozesses deutlich erkennbare enge Zusammenarbeit zwischen Autor*innen und Regie. Gemeinsam wollen die drei Künstler*innen einen Theaterabend schaffen, in dem die Zeit »bewohnbar« wird.
 
Das Gewinnerstück »Der Grund. Eine Verschwindung« soll von den Einheimischen eines Dorfes im Gebirge erzählen, das irgendwann im vergangenen Jahrhundert für den Bau eines Wasserkraftwerks geflutet wurde. Statt sich entschädigen zu lassen und wegzuziehen, entschieden sich einige der Dorfbewohner*innen, auf dem Grund des Stausees weiterzuleben. Hier hausen sie nun seit vielen Jahrzehnten, gefangen in einer ewigen Gegenwart, und nur manchmal dringen ihre Gesänge wie Luftblasen an die Oberfläche des Sees.
 
Zu den Finalist*innen der diesjährigen Ausschreibung, auf die sich insgesamt 76 Teams beworben hatten, gehören neben Sokola//Spreter//Lawall auch die Teams Jan Gehler und Thomas Freyer mit dem Konzept für »der Riese«, Sebastian Schug und Anja Hilling mit »The Body Electric« sowie Ron Zimmering und Mario Wurmitzer mit »Bitte Warten. Dramatische Umverteilung von Wartezeit und Lethargie«.
 
Das Preisgeld von 50.000 Euro wird indirekt über einen Werk- und einen Inszenierungsauftrag über das Nationaltheater Mannheim vergeben, beide im Gegenwert von je 20.000 Euro. Weitere 10.000 Euro werden als Zuschuss zu den Produktionskosten gewährt.
 
 
Zum Gewinner*innenteam
 
Pablo Lawall (*1993) arbeitete als Theatermusiker unter anderem am Schauspiel Dortmund und dem Staatstheater Mainz und beendet derzeit sein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. 2019 gab er mit »I Hate Being Bipolar, It’s Awesome« sein Regiedebüt. In der Folge inszenierte er »Tierversuch« und »Farn Farn Away« von Sokola//Spreter an der HfS Ernst Busch. Mit »Polar« gewann das Trio 2022 gemeinsam den Nachwuchswettbewerb am Theater Drachengasse in Wien. In der laufenden Spielzeit bringt Pablo Lawall »Der Mensch erscheint im Holozän« von Max Frisch am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen auf die Bühne. In der Spielzeit 2023/24 inszeniert er »Split« von Sokola//Spreter am Theater Münster.
 
Sokola//Spreter sind ein Autor*innen-Duo aus Berlin. Ivana Sokola (*1995) und Jona Spreter (*1994) studierten Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Mit »Tierversuch« gewannen sie 2020 den Publikumspreis des Hans-Gratzer Stipendiums am Schauspielhaus Wien. Im Rahmen des Förderpreises für deutschsprachige Dramatik waren sie 2021 zu einer zweimonatigen Residenz an die Münchner Kammerspiele eingeladen. In der Spielzeit 2022/23 sind Sokola//Spreter Hausautor*innen am Theater Münster. Für ihr Stück »Kill Baby« erhielt Ivana Sokola den Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker. Ihr Nachfolgestück »Pirsch« wurde mit dem Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2022 ausgezeichnet.

Pablo Lawall, Ivana Sokola und Jona Spreter © Nina Brinkmann

Die Reinhold Otto Mayer Stiftung kooperiert für die Preisverleihung 2023 mit dem Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim


 
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